Bezirksvertretungssitzung im Preußenstadion – Lokalpolitik enttäuscht Berg Fidel

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Münster, den 28.05.2026

Zu Ende März kündigte der Immobiliengroßkonzern LEG dem Nachbarschaftstreff Berg Fidel e.V. das Mietverhältnis. Die Begründung: Die Nutzer, die Stadtteilgewerkschaft Berg Fidel Solidarisch, äußerten zu viel Kritik am Geschäftsmodell des Konzerns.

Wäre es nach der LEG gegangen, hätte Berg Fidel Solidarisch zum 31.03. die Schlüssel der ehemaligen „Alten Post“ in Berg Fidel übergeben sollen. Doch die Stadtteilgewerkschaft erkennt die Kündigung nicht an und kämpft weiter für den Erhalt der Räume in Berg Fidel. Da Bezirksbürgermeister Schade Einladungen über die letzten Monate ablehnte, zogen knapp 20 Mitglieder der Stadtteilgewerkschaft Berg Fidel Solidarisch heute zur Bezirksvertretungssitzung ins Stadion des SC Preußen Münster.

Während sich Politiker:innen der Bezirksvertretung Münster-Hiltrup unter Leitung von Bezirksbürgermeister Friedhelm Schade (SPD) in regelmäßigen Abständen, unter anderem zu gemeinsamen Fahrradtouren, mit der LEG treffen, hat Herr Schade monatelang jegliche Einladung der Stadtteilgewerkschaft Berg Fidel Solidarisch ignoriert. „Es ist für uns absolut unverständlich und ein absoluter Skandal, dass ein gewählter Vertreter unseres Stadtteils zwar bereit ist, sich mit dem Unternehmen an einen Tisch zu setzen, welches für die unhaltbaren Zustände in Berg Fidel verantwortlich ist, aber nicht willens ist, mit einer lokalen Nachbarschaftsinitiative in den Austausch zu gehen. Unserer Ansicht nach zeugt dies von einem höchst fragwürdigen demokratischen Verständnis seinerseits“, sagt Phillip Hocks, Mitglied der Stadtteilgewerkschaft.

Doch die Stadtteilinitiative hat den Druck auf die Bezirksvertretung weiterhin erhöht und konnte so ein Gespräch mit Bezirksbürgermeister Schade am kommenden Montag, dem 01.06.2026, erkämpfen. „Herr Schade hat die letzten Monate keine Bereitschaft gezeigt sich für die Themen und Menschen in Berg Fidel einzusetzen. Für uns wirkt es bislang so, als versteht sich Herr Schade zwar als Bezirksbürgermeister von Hiltrup, aber weniger von Berg Fidel. Wir freuen uns jetzt sehr, dass es endlich zu einem gemeinsamen Gespräch mit Herrn Schade kommt. Wir erwarten konstruktive Vorschläge, wie wir sowohl unsere Kündigung durch die LEG abwenden können als auch konkrete Schritte, die Macht dieses Konzerns im Stadtteil zu brechen “, so Phillip Hocks.

Bereits in der letzten Sitzung der Bezirksvertretung im April stellte Marvin Feldmann im Namen der Stadtteilgewerkschaft die Einwohnerfrage, inwiefern die Bezirkspolitiker:innen in den Gesprächen mit der LEG konkrete Erfolge für die Bewohnenden der 700 LEG-Wohnungen in Berg Fidel durchsetzen konnten. Eine zufriedenstellende Antwort konnte der Bezirksbürgermeister nicht geben: „Die Antwort, dass regelmäßige Gespräche von Politiker:innen mit der LEG bereits an sich als Erfolg zu werten sind, lehnen wir rundherum ab. Gespräche an sich stellen keinen Mehrwert für uns Menschen hier vor Ort dar. Denn: die Probleme mit der LEG werden seit Jahren schlimmer, es ist keinerlei Verbesserung zu merken. Auf uns wirkt es vielmehr so, dass sich die Politik und Stadtverwaltung regelmäßig in den Gesprächen mit der LEG hinhalten lassen. Wenn in direkten Gesprächen Politik und Verwaltung nicht in der Lage sind, signifikante Verbesserungen für die Mietenden der LEG-Wohnungen durchzusetzen, bleibt für uns die Frage: Welche Macht haben diese Politiker, unsere Interessen gegen einen privaten Konzern durchzusetzen?“, so Marvin Feldmann.

Enttäuschend verlief auch eine Anregung gemäß §24 Gemeindeordnung zur letzten Bezirksvertretungssitzung. Leonard Beving (ebenfalls Mitglied Berg Fidel Solidarisch) hatte die Vertreter:innen aufgefordert, geschlossen eine Rücknahme der Kündigung und dauerhafte Nutzung der Räumlichkeiten am Rincklakeweg 21 von der LEG zu verlangen. „Herr Schade hat die Anregung sofort und ohne Diskussion an die Stadtverwaltung abgetreten, und sich somit wieder einmal aus der Verantwortung gezogen. Aus unserer Sicht sollte die Politik in der Lage sein, von einem Immobilienunternehmen demokratisches Verhalten einzufordern“, berichtet Leonard Beving. Enttäuschend war auch die Erkenntnis bei der heutigen Bezirksvertretungssitzung, dass bisher anscheinend keine weitere Auseinandersetzung mit der Anregung stattgefunden hat und eine Reaktion weiterhin auf sich warten lässt.

Bei der heutigen Sitzung der Bezirksvertretung gingen die Aktiven der Stadtteilgewerkschaft Berg Fidel Solidarisch daher nun einen Schritt weiter. Marvin Feldmann forderte stellvertretend via Anregung auf, „dass die Bezirksvertretung Münster-Hiltrup die Möglichkeiten prüft, durch Enteignung einzelner Mietobjekte die Möglichkeit zur Selbstorganisierung der Menschen zu erhalten und entsprechende Schritte als Gegengewicht gegen die monopolistische Macht und das antidemokratische Vorgehen der LEG Immobilien SE in Berg Fidel umzusetzen“.
Herr Schade hatte in der letzten Sitzung noch erklärt, dass der antidemokratische Angriff der LEG auf die Stadtteilinitiative Berg Fidel Solidarisch, mit der Kündigung der Räumlichkeiten des Nachbarschaftstreff Berg Fidel e.V., nicht in die Zuständigkeit der Politik falle, da es sich hierbei um eine rein privatrechtliche Angelegenheit handele. „Eine Enteignung wäre daher zur Zeit unsere einzige Idee, wieder einen demokratischen Handlungsspielraum im Stadtteil herzustellen und den Bewohner:innen Räume zur Verfügung zu stellen, die nicht unter der Kontrolle der LEG stehen“, begründet Marvin Feldmann diese Anregung.

Auch im weiteren Verlauf der Sitzung wurde deutlich, wie sehr die Bezirksvertretung von Berg Fidel bei den Bewohner:innen mehr Fragen als Antworten zurücklässt. Jenner Rodriguez fragte bei der Vertretung an, wo genau die Bezirkspolitik noch über demokratischen und politischen Handlungsspielraum im Stadtteil verfügt – vor dem Hintergrund, dass der LEG nicht nur über 700 Wohnungen im Stadtteil gehören, sondern auch ein Großteil der Fläche. Die Antwort seitens Herrn Schade löste bei allen Anwesenden von Berg Fidel Solidarisch große Enttäuschung aus. Herr Schade berief sich erneut auf den privatrechtlichen Aspekt von Mietverträgen. „Es ist eine reine Enttäuschung zu sehen, wie unsere gewählten Vertreter:innen vor der Macht eines Großkonzerns einknicken und keinerlei demokratischen Spielraum für sich selbst und unseren Stadtteil sehen“, fasste Jenner Rodriguez anschließend die Stimmung zusammen.

Natalia Sikach ist vor dem Hintergrund zahlreicher Verschlechterungen in den letzten Jahren von dem Engagement der Politiker:innen für den Stadtteil Berg Fidel enttäuscht. Sie fragte in der Sitzung nach, welche konkreten Maßnahmen die Bezirksvertretung plane, um den stetigen Verlust der Infrastruktur im Viertel entgegenzuwirken. Neben der Arztpraxis Ende März haben nun auch noch das Café und somit die integrierte Postfiliale geschlossen. Sparkasse, Bäckerei und weitere Geschäfte haben bereits vor längerem ihre Standorte in Berg Fidel aufgegeben. „Immer mehr Geschäfte schließen und es gibt immer weniger Angebote hier bei uns vor Ort. Die Schließung der Arztpraxis ist für viele Menschen eine große Katastrophe. Nun soll auch noch der einzige belebte Ort in der Geschäftszeile von Berg Fidel, unser Raum von Berg Fidel Solidarisch, durch die LEG geschlossen werden. Wo bleibt da ein entschlossenes Handeln der Politik?“ so Natalia Sikach. Der Stadtverwaltung blieb nichts anderes übrig, als auf die verbleibenden Geschäfte, wie den Supermarkt sowie die Apotheke, hinzuweisen. Konkrete Lösungsvorschläge zur Verbesserung der aktuellen Situation konnte Herr Tüns von der Stadtverwaltung in seiner Antwort nicht anbieten.

Doch auch weitere Nachbar:innen aus Berg Fidel haben Fragen an die Bezirksvertretung. Da die Satzung jedoch lediglich zwei Fragen pro Sitzung zulässt, haben sie ihre Sorgen und Fragen in einem Video bei Instagram auf dem Kanal von Berg Fidel Solidarisch zusammengetragen und hoffen nun auf eine Antwort seitens des Bezirksbürgermeisters.